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Landratskandidat Oskar Saller (li.) moderierte gekonnt die Diskussion zwischen dem SPD-Fraktionsvorsitzenden im Kreistag Martin Kreutz (Mitte) und Generalmajor a.D. Norbert Wagner (re.) – zwei leere Stühle blieben für die Vertreter des Klinikums bzw. der Chefärzte
Bundeswehr macht Druck: Ohne zivile Kliniken keine Verteidigungsfähigkeit
Klare Forderungen der Bundeswehr – 10.000 Betten nötig – für Klinikleitung war Einladung zu kurzfristig
Im Gasthaus Primbs in Waltersdorf fand eine Podiumsdiskussion zum Erhalt der Klinik Bogen statt. Eingeladen hatten die SPD‑Kreistagsfraktion und Landratskandidat Oskar Saller. Erschienen war Generalmajor a.D. Norbert Wagner, Präsident des Bayerischen Soldatenbundes (BSB). Vertreter des Klinikums und der Chefärzte blieben hingegen fern – aus Zeitgründen bzw. wegen interner Sprechverbote. Für beide wäre es jedoch wichtig gewesen zu hören, welche Überlegungen die Bundeswehr zur medizinischen Versorgung der Zukunft hat. Saller, der die Idee einer Zivil‑Militärischen-Zusammenarbeit als Chance für die Klinik eingebracht hatte, moderierte die Runde.
SPD- Landratskandidat Oskar Saller erklärte das Fernbleiben der Klinikvertreter und sprach von unverständlichen Sprechverboten mitten in einem Prozess, der eigentlich gemeinsame Lösungen brauche. Anschließend stellten sich SPD‑Fraktionsvorsitzender Martin Kreutz und Generalmajor a.D. Wagner vor. Wagner umriss seinen militärischen Werdegang sowie seine heutige Rolle als Präsident des BSB, der sich mit aktuellen sicherheits‑ und gesellschaftspolitischen Themen befasst.
Bundeswehr braucht zivile Unterstützung
Saller erläuterte kurz seine Idee zur Zivil‑Militärischen Zusammenarbeit. Wagner bestätigte, dass die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr seit der „Zeitenwende“ stark ausgebaut werde: Aufwuchs auf 260.000 Soldaten, eine Reserve von 200.000 Kräften und eine neue Heimatschutzdivision. Die Gesamtverteidigung basiere auf militärischer und ziviler Verteidigung. Da Sanitätsregimenter an der Front eingesetzt seien, benötige die Truppe im Ernstfall zwingend medizinische Leistungen aus dem zivilen Bereich. Der Heimatschutz sei nicht für die zivile kritische Infrastruktur zuständig.
Sanitätsdienst vor großen Herausforderungen
Wagner betonte die zentrale Rolle eines leistungsfähigen Sanitätsdienstes. Rund 3.300 Militärärzte und 3.200 Notfallsanitäter stünden jedoch vor ähnlichen Problemen wie die zivile Medizin: vor allem der Fachkräftemangel verschärfe die Lage. Angesichts militärischer Konflikte, humanitärer Krisen und des Klimawandels müsse über die Krisenresilienz des gesamten Gesundheitswesens gesprochen werden – von Krankenhäusern über den Rettungsdienst bis hin zum Öffentlichen Gesundheitsdienst.
Im Gespräch mit Kreutz wurde deutlich, dass das deutsche Gesundheitswesen schon in „Friedenszeiten“ am Limit arbeite. Der Sanitätsdienst sei in den letzten Jahren ein verlässlicher Partner gewesen, sichtbar während der Corona‑Pandemie. Die fünf Bundeswehrkrankenhäuser seien feste Bestandteile der allgemeinen Versorgung.
Dringender Handlungsbedarf
Saller hob die wechselseitige Abhängigkeit hervor: In Krisen profitiere das zivile Gesundheitswesen von der Bundeswehr, im Ernstfall jedoch umgekehrt. Wagner forderte Bund und Länder auf, endlich konkrete Schritte zur Stärkung der Krisenresilienz einzuleiten. Studien zeigten erhebliche Defizite in Krankenhäusern; nötig seien Investitionen von rund 15 Milliarden Euro für Verteidigungsfähigkeit, 2,7 Milliarden für Cybersicherheit sowie verbesserte Notstromversorgung, Schutzräume und geschultes Personal.
Wagner verwies auf mögliche Szenarien im NATO‑Bündnisfall: bis zu 1.000 täglich aus dem Einsatz verlegte Soldaten, die in Deutschland behandelt werden müssten. Die 1.800 Betten der Bundeswehrkrankenhäuser reichten bei weitem nicht aus – bis zu 10.000 wären nötig. Das sei nur mit funktionierender Zivil‑Militärischer Zusammenarbeit machbar.
Politik hinkt hinterher
Wagner stellte klar, dass die komplexen Zuständigkeiten in Deutschland viel Abstimmungsbedarf erforderten. Zivile Verwaltung, Bundesländer und Kommunen müssten verstärkt Vorsorge treffen. Doch laut Saller hinkten die zivilen Entscheidungsträger den militärischen Planungen mindestens zwei Jahre hinterher. Umso wichtiger sei es, die Kreisklinik Bogen mit Notaufnahme und Intensivstation zu erhalten. Einmal abgebaut, seien solche Strukturen nur schwer wiederherstellbar – darin waren sich die Diskussionsteilnehmer einig.