Arbeiter-Radfahrer "Solidarität" - Ortsgruppe Geiselhöring

Zur Geschichte der Arbeiter-Radfahrer in Geiselhöring und Umgebung

Der Arbeiter-Radfahrerbund „Solidarität“ in Geiselhöring taucht erstmals nachweislich auf, als die sozialdemokratische Organisation die umliegenden Arbeiter-Radfahrer-Vereine zum Fest anlässlich der Enthüllung der Fahne des SPD-Ortsvereins am 13.5.1923 einlud. Natürlich nahmen die Eingeladenen gerne und zahlreich teil.

Leider ist weder die Gründung noch die Entwicklung des Vereins bekannt. Neben der oben genannten Einladung gibt es nur für die Jahre 1928/29 im Landshuter Staatsarchiv verwahrte Akten.

Im September 1928 wird der Arbeiter-Radfahrerbund „Solidarität“ Geiselhöring in einem Rundschreiben der Bezirksleitung des Verbandes genannt. Hier wird eine Mitgliedschaft von 10 Personen bestätigt. Weitere Mitglieder des „7. Bezirkes“ (Niederbayern): Dingolfing (22), Landshut (59), Wartenberg (34), Straubing (30), Neufahrn (12), Eggenfelden (23), Ergoldsbach (25), Moosburg (37) und Herrngiersdorf (16).

Einen kurzen Einblick in die Tätigkeit des Arbeiter-Radfahrer-Verbundes „Solidarität“ in Geiselhöring und im Labertal bieten die wenigen im Staatsarchiv in Landshut erhaltenen Rundschreiben der Bezirksleitung „an die Ortsgruppen im 7. Bezirk“.

Am 29. September 1928 fordert der Bezirkssportleiter Franz Glasauer aus Landshut die Ortsgruppen auf, ihre Fahrwartberichte einzusenden und damit alle Ausfahrten, „auch Einzelfahrten, welche von der Ortsgruppe gutgeheißen wurden“, aufzuführen. Weiter wird informiert, dass „bei den kommenden Wahlen zur Generalversammlung ein Sportleiter, nach Möglichkeit ein Sportausschuss“ zu wählen sei. Wo es keinen besonderen Jugendleiter gibt, habe der Sportleiter bzw. der Sportausschuss diese Aufgabe mit zu übernehmen. Auf Anregung der Ortsgruppen wurden noch die Wertungs-Ergebnisse versandt, die auch die Gausternfahrtergebnisse enthielten. Daraus ergaben sich die obengenannten Mitgliederzahlen der Ortsgruppen. Weiter sind darin die Leistungen der Ortsgruppen dargestellt: So nahmen 70 Mitglieder der Ortsgruppe Dingolfing an Ausfahrten teil, sie fuhren zusammen 2985,4 Kilometer und die gefahrenen Kilometer pro Mitglied wurden mit sensationellen 135,5 Kilometern ermittelt. Schlusslicht der Tabelle war die Ortsgruppe Herrngiersdorf, deren 16 Mitglieder an keiner Ausfahrt teilgenommen haben. Auch Geiselhöring bewegt sich am Ende der Tabelle: Hier haben drei der zehn Mitglieder an Ausfahrten teilgenommen und zusammen 237 Kilometer erreicht, ein Schnitt von 23,7 Kilometer pro Mitglied.

Nachdem die Bezirksversammlung am 17. März 1929 im Vereinslokal „Gasthaus zur neuen Welt“ in Landshut das Sommerprogramm 1929 diskutierte, wurde von Bezirksleiter A. Hiesserer, Landshut, im Bezirks-Rundschreiben vom 21. März 1929 der Beschluss zum Sommerprogramm kommuniziert: u.a. wurde für den 12. Mai 1929 die Bezirkssternfahrt nach Geiselhöring geplant.

Im Bezirksrundschreiben vom 29. März 1929 wird vorgeschlagen, dass „zur wirksameren Agitationsgestaltung“ sich die gleiche Strecken fahrenden Ortsgruppen an bestimmten Punkten sammeln, um dann geschlossen und demonstrativ am Bestimmungsort einzutreffen. „Die Standarten sind bei allen derartigen Ausfahrten mitzunehmen und für Einhaltung der Verkehrsordnung (Benutzung der rechten Straßenseite) haben die Fahrwarte zu sorgen“. Die Zusammenkunft am 12. Mai sollte um 12 Uhr im Vereinslokal der Ortsgruppe Geiselhöring stattfinden. Die teilnehmenden Gruppen sollten aus Richtung Landshut, Richtung Dingolfing, Richtung Straubing und Richtung Herrngiersdorf einfahren.

Im Bezirks-Rundschreiben vom 16. April 1929 wird berichtet, dass die Geiselhöringer Ortsgruppe mit dem Vorsitzenden Michael Brenner, Mariahilfweg 5, alle Vorbereitungen trifft, um den teilnehmenden Ortsgruppen einige vergnügte Stunden zu bereiten. „Für billigen und reichhaltigen Mittagstisch ist ebenfalls vorgesorgt“.

Im Rundschreiben vom 13. Mai wird bereits über die Sternfahrt nach Geiselhöring berichtet: „Die am 12. Mai nach Geiselhöring angesetzte Werbefahrt war von einem vollen Erfolg begleitet. Vertreten waren sämtliche Ortsgruppen des Bezirkes einschließlich der neugegründeten Ortsgruppe Landau, mit Ausnahme Wartenberg. Dank und Anerkennung verdient die Musikkapelle der Ortsgruppe Straubing für ihre unermüdliche musikalische Mitwirkung. Anlässlich des Zusammentreffens bei der Sternfahrt wurde auch eine Bezirksversammlung des Arbeiter-Radfahrerbundes „Solidarität“ in Geiselhöring abgehalten. Zur Abfahrt um 3 Uhr nachmittags wurde gemeinsam bis zum Südwestrand des Ortes Richtung Neufahrn gefahren, erst dann erfolgt die Heimfahrt zu den Herkunftsorten.

Arbeiter-Radfahrervereine „Solidarität“ in Niederbayern/Oberpfalz

Im agrarisch dominierten Bayern hielt sich die Verbreitung von Arbeiter-Radfahrervereinen jedoch lange in Grenzen, während sie in den stärker industrialisierten Regionen Deutschland bereits wie Pilze aus dem Boden schossen. Selbst in den proletarisch angehauchten Industrie- und Bergbaugebieten Bayerns entstanden Arbeiter-Radfahrervereine teilweise erst weit nach 1900. Einschlägige Vereins-Verzeichnisse weisen im Königreich im Jahre 1903 erst neun Arbeiter-Radfahrervereine und acht Einzelfahrer, insgesamt 300 Mitglieder, auf.

Im Jahr der Gründung des Sozialdemokratischen Vereins Straubing 1904 entstanden bereits, neben dem Arbeitergesangsverein und dem Arbeiterwohlfahrtsverein, ein dem Arbeiterradfahrerbund „Solidarität“ angeschlossener Radfahrerverein. In Regensburg bildete sich erst im Jahre 1905 eine Ortsgruppe des „Arbeiter-Radfahrer-Bundes Solidarität“. Bereits drei Jahre später, an Pfingsten 1908, fand dann in Regensburg eine größere Veranstaltung der „Solidarität“ statt, der Gautag der Gaue 19 (Nordbayern) und 20 (Südbayern), zu dem bis zu 2.000 Teilnehmern erwartet wurden. Die ganzen Pfingsttage über war die Stadt von „roten Husaren“ bevölkert.

1906 erfolgte die Gründung des Arbeiter-Radfahrerbunds „Solidarität“ in Pegnitz-Hütte. 1906 bzw. 1907 kam es zur Gründung eines Konsumvereins Schwandorf und Umgebung und eines Radfahrervereins des Arbeiterradfahrerbundes „Solidarität“.

Der Arbeiter-Radfahrerbund "Solidarität" Schwandorf wurde 1907 gegründet, nachdem 1906 in Schwandorf/Oberpfalz ein Sozialdemokratischer Verein gebildet wurde. In Großberg (Gem Pentling) gründeten die Bergler 1907 den ältesten SPD-Ortsverein im Landkreis Regensburg. 1909 bildete sich der Arbeiter-Radfahrverein „Solidarität“ in Großberg. Aus dem Jahr 1929 ist die Standarte der „Solidarität“ erhalten.

1921 gründete Max Schuierer zusammen mit einigen anderen Genossen in Klardorf den Radfahrerbund „Solidarität“, der die Basis für die SPD-Ortsgruppe bildete, die im Juli desselben Jahres ins Leben gerufen wurde. Nach der Gründung der SPD Lappersdorf 1920 entstand 1922 eine Ortsgruppe des Arbeiter-Radfahrer-Bundes „Solidarität“ und 1923 wurde der Arbeiter-Radfahrerverein „Solidarität“ Dingolfing gegründet.

Die Gründungsdaten der Ortsgruppen Geiselhöring, Landshut, Wartenberg, Neufahrn, Eggenfelden, Ergoldsbach, Moosburg, Herrngiersdorf und Landau liegen weiterhin noch im Dunkeln.

Arbeiterradfahrerbund "Solidarität“

Die Geschichte des Arbeitersports beginnt in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts. Den Arbeitern wurde der Zugang zu den bürgerlichen Sportvereinen weitestgehend verwehrt. So begannen sie sich eigene Möglichkeiten zu schaffen, um in der Gemeinschaft Sport zu treiben. Hatte das „Sozialistengesetz" diese Entwicklung zunächst stark behindert, so kam es nach dessen Fall zu einer verstärkten Gründungswelle von örtlichen und regionalen Kultur-, Sport- und Freizeitvereinen innerhalb der Arbeiterbewegung. So ist 1893 Anfangs August ein Aufruf an fast allen Parteiblättern erschienen, der lautete: An die sozialdemokratischen Radfahrer Deutschland Sportgenossen! Auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens sondern sich die Arbeiter und Parteigenossen von ihren Gegnern ab und schließen sich zu eigenen, selbständigen Organisationen zusammen. Auch wir Radfahrer wollen nicht zurückbleiben, auch wir wollen dem Beispiel der Arbeiter Gesang-, Turn- und Vergnügungsvereine folgen und einen Verband über ganz Deutschland bilden. Unser Ziel soll sein, neben der Hebung des Radfahrsports, uns auch der Partei und der Arbeiterbewegung so viel als möglich nützlich zu machen. 1893 erfolgte dann auch die Gründung des ersten proletarischen Radfahrerbundes, der aber wegen politischer Zielsetzungen in der Satzung schon nach wenigen Tagen vom wilhelminischen Machtapparat verboten wurde.

Doch zu Pfingsten 1896 wurde in einem neuen Anlauf am 25./26. Mai in Offenbach am Main der Arbeiter-Radfahrer-Verein „Solidarität“ von Delegierten aus 12 Arbeiterradfahrervereinen gegründet. All frei! war der Gruß der Arbeiterradler. In der Anfangszeit des Radelns wie überhaupt in der Frühzeit des Vereinswesens waren korporierte Rituale wie eben ein spezieller Gruß konstitutiv für die Gruppe. Die bürgerlichen Vereine, die in der Anfangsphase die Radfahr-Szene beherrschten, übernahmen von den Turnern (Gut heil!) das Heil und grüßten „All heil!“.

Der Name „Solidarität" wurde bewusst gewählt! Es beschrieb das wichtige Prinzip der Arbeiterbewegung: "Nicht nur zum Vergnügen sind wir Arbeiterradfahrer, sondern wir wollen uns der Mission, die uns im Kampf für die Sache des Volkes zufällt, voll bewusst sein und zeigen, dass wir nicht die letzten sind…“

Dieser „Bund" war von Anfang an mehr als ein Sportverein und sah sich eher als Interessenvertretung aller Radfahrer in Deutschland. Man wandte sich gegen schikanöse Vorschriften wie die Einführung von Fahrradkarte, einer Fahrradsteuer oder bestehende Fahrverbote, forderte einheitliche Verkehrsbestimmungen und setzte sich für den Radwegebau ein. Versicherungsdienst (Unfall/ Rechtsschutz) und weitere Unterstützungsleistungen für die Mitglieder gingen weit über den Charakter einer Sportorganisation hinaus. Höhepunkte für die Bundesmitglieder waren Festlichkeiten und Veranstaltungen in eigenen Vereinslokalen und Großveranstaltungen bzw. Demonstrationen am 1. Mai.

Eine weitere Säule des Vereinslebens war der Saalradsport mit Kunst- und Reigenfahren, sowie der Radball und Radpolosport. In der wärmeren Zeit des Jahres wurden Touren- und Wanderfahrten in die Umgebung mit gemeinsamen Essen unternommen. Der Radrennsport wurde zunächst abgelehnt, weil er zu sehr dem bürgerlich dekadenten Individualitätsprinzip entsprach. Die Umorientierung im Sportbetrieb und die daraus folgende Zulassung von Wettkämpfen fand erst in den 20er Jahren statt

Lange Zeit war das Fahrrad ein für Arbeiter unerschwingliches Luxusgut. Durch die beginnende industrielle Massenproduktion Anfang der 1890er Jahre kam es zur massenhaften Verbreitung des standardisierten, luftbereiften Fahrrades. Die Preise für Niederräder fielen bis 1899 bis auf 170 RM. Aber zum Vergleich: In Berlin verdiente ein Ungelernter 1892 ungefähr 2,70 Mark täglich. Ein Möbeltischler hatte abends 3 bis 4 Mark in der Tasche. Die erhöhte Mobilität erleichterte nun der Arbeiterschaft sowohl den Weg, auch zu einem entfernteren Arbeitsplatz, als auch die umfangreiche Erkundung der Umwelt. Es gab ein neuartiges Gefühl der Freiheit!

Besonders aber für die Fabrik- und Bergarbeiter leistete das Fahrrad einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse, da sie sich nun billigere und gesündere Wohnungen außerhalb ihres Arbeitsumfelds nehmen konnten, weil die größeren Entfernungen zum Arbeitsplatz auf zwei Rädern relativ schnell zurückzulegen waren. Am Sonntag konnten sie dann Ausflüge unternehmen, um sich in der frischen Luft zu erholen und für die harte Arbeit unter der Woche neue Kräfte zu sammeln. In den Industrie- und Bergbauregionen Deutschlands schlossen sich nun überall Arbeiter zu eigenen Radfahrervereinen zusammen.

Besaß die „Solidarität“ 1900 beispielsweise erst 6.500 Mitglieder, wuchs deren Zahl bis 1913 auf 148.507 an. Während bürgerliche (Rad)-Sportvereine sich eher zersplitterten, wuchs der Bund zum „größten Radsportverein" der Welt mit 300.000 Mitgliedern. Der Sportbetrieb war vorbildlich organisiert und gepaart mit einem ausgeprägten verkehrspolitischen Konzept.

Für die politische Arbeit der Sozialdemokraten waren die Arbeiterradfahrer überaus wichtig: Als „Rote Kavallerie“ unternahmen die Radfahrer immer wieder Ausfahrten auf‘s Land, um Propagandamaterial zu verteilen. Die Arbeiterradfahrer transportierten Wahlzettel, überbrachten Nachrichten, signalisierte Gefahren und verbreitete die Arbeiterpresse. Viele Mitglieder waren als Kuriere und Melder aktiv.

Anfang März 1933 wurden dem ARS die Konten gesperrt und damit die Abwicklung seiner umfangreichen Geschäfte unmöglich gemacht. Seine Zentrale in Offenbach wurde von einem Trupp SA besetzt, wobei der Vorsitzende des Verbandes Niemann ermordet wurde.

 

Enteignung sozialdemokratischer Vereine 1933

Erneut taucht der Arbeiter-Radfahrerbund „Solidarität“ in Geiselhöring bei den Berichten zum Vollzug der Gesetze über die Enteignung von zu nationalen Zwecken verwendetem Gut 1933 auf. Nach der Machtergreifung der Nazis 1933 wurden die sozialdemokratischen Vereine enteignet und verboten.

Bei dem hier bestandenen Rad-Verein (Solidarität) wurde am 12.5.33 der Kassenbestand von 5,05 RM beschlagnahmt, auch wurden zwei kleine Standarten, drei Trinkgefäße (Krüge) und drei Bilder beschlagnahmt. Über weitere Gegenstände verfügte dieser Verein nicht. Das Geld wurde im Auftrage des Bezirksamtes bei der Bezirkssparkasse Mallersdorf hinterlegt. Die Sachgegenstände befinden sich zudem auf der Gendarmeriestation Geiselhöring in Verwahrung.

Die Polizeistation Geiselhöring meldete am 27.6.1933 an das Bezirksamt Mallersdorf, dass die hiesige ehemalige SPD weder über ein Vermögen noch über andere Gegenstände verfügte und solche daher nicht beschlagnahmt werden konnten. Die Traditionsfahne der SPD, die als einzige im Labertal bis heute erhalten blieb, hatten die Nazis nicht auf dem Schirm!

In diesem Zusammenhang wurde auch der Ortsgruppe der Arbeiterwohlfahrt mit Vorsitzendem Georg Schlag, Bahnarbeiter in Geiselhöring, ein Kassenbestand von 100 RM sowie eine Spareinlage bei der Arbeiterbank München in Höhe von 127,50 RM beschlagnahmt. Das Geld sollte der Ortsfürsorgekasse Geiselhöring übereignet werden.

Schlimmer traf es Ortsgruppe Ergoldsbach des Arbeiterrad- und Kraftfahrbunds „Solidarität“ mit dem Vorsitzenden Anton Karpfinger, Fabrikarbeiter aus Ergoldsbach. Es wurden drei Fahrräder im Wert von ca. 100 RM, ein Kassenbestand von 23,07 RM sowie eine Spareinlage beim Konsumverein Landshut in Höhe von 70,73 RM beschlagnahmt. Weiterhin waren ein Bierkrug und ein Pokal (Schätzwert über 100 RM) vorhanden. Die Geräte und Geldbeträge sollten dem Turnverein Ergoldsbach bzw. der Hitlerjugend Ergoldsbach zu Gute kommen. Eine kleine Standarte des Radfahrvereins „Solidarität“ soll vorhanden sein, ihr Verwahrungsort konnte jedoch nicht ermittelt werden, weil niemand von den Mitgliedern wissen will, wo sie sich z.Z. befindet.

Auch die sozialdemokratischen Vereine in Neufahrn wurden enteignet: Die Ortsgruppe der sozialdemokratischen Partei für Neufahrn hatte keinen Besitz mehr, da die früher erhobenen Beiträge der Mitglieder jeweils sofort an die Kreisstelle in Regensburg eingesandt wurden. Der Arbeiter Radfahrverein „Solidarität“ in Neufahrn konnte für die ersten zwei Vierteljahre für das Kalenderjahr 1933 nur ein Defizit von 2,20 RM aufweisen. Vom Jahre 1932 sind noch 20,99 RM Überschuss vorhanden. Nach Abzug des Defizites konnten 18,79 RM als Kassenbestand beschlagnahmt und auf der hiesigen Gendarmerie-Station sichergestellt werden. Außerdem sind genanntem Verein noch weggenommen u. auf hiesiger Station verwahrt worden: Eine Standarte 48x48 groß, eine kleine Tischstandarte, drei Schärpen, vier Fahnenbänder.

Schließlich gab es noch den Arbeiter-Turn- und Sportverein (ATUS )„Vorwärts“ in Neufahrn, der ein Grundstück mit Turnhalle in Neufahrn zu eigen hatte. Hierfür wurde ein Veräußerungs- und Belastungsverbot eingetragen. Weiterhin waren vorhanden 14 Turngeräte, eine Spielbühne und ein Ofen (Schätzwert 300-400 RM) sowie ein Bierkrug und ein Pokal. Im März 1936 wurden sämtliche Turngeräte der Dt. Turnerschaft u. dem Fußball Club Neufahrn überlassen.

Nach den eingehend gepflogenen Erhebungen beim letzten Kassier der SPD in Mallersdorf konnte weder über ein Parteivermögen noch sonst über irgendwelche Gegenstände die der genannten Partei gehörten etwas ermittelt werden.