Aktuelles zum "Polenkinderlager Laberweinting"

Veröffentlicht am 13.09.2021 in Allgemein

Anna Andlauer und Rainer Pasta an der letzten Station des „Wegs des Erinnerns“ am alten Friedhof in Markt Indersdorf.

 

Wo die weißen Särge liegen

Viele Parallelen zum Polenkinderlager in Laberweinting – Die polnische Zeitschrift "MM - Moje miasto" zeigt Interesse

Gut 200 Menschen sind am Sonntagmittag gekommen, um den "Weg des Erinnerns" einzuweihen, für den sich die Indersdorfer Historikerin Anna Andlauer und der Heimatverein Indersdorf seit langem unermüdlich eingesetzt haben. Auf einer kurzen Strecke von etwa einem Kilometer gedenkt Markt Indersorf der jüngsten Opfer des Nationalsozialismus: den ermordeten Kindern der osteuropäischen Zwangsarbeiterinnen, die im letzten Kriegsjahr in einer Baracke an der Klostermauer zwangsuntergebracht waren. 35 Säuglinge wurden hier von den Nationalsozialisten zu Tode gequält. An der Einweihungsfeier "Weg des Erinnerns" nahm auch Rainer Pasta aus Geiselhöring als Mitglied einer deutsch-oberösterreichischen Arbeitsgruppe zur Erforschung und Dokumentation von "Ausländerkinderpflegestätten" teil. Mit dabei war auch Andreas Bialas, Mitglied des Vereins „Für das Erinnern - Ortsgruppe Burgkirchen“, der sich um das Kindermassengrab in Burgkirchen kümmert.

Gedenken als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Zur Eröffnung kamen auch viele Politiker und die Vertreter des polnischen und ukrainischen Generalkonsulats. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat ein Grußwort übermittelt, in dem er daran erinnert, dass „die Versklavung der Mütter zur Zwangsarbeit, die Verschleppung ihrer Kinder und deren qualvolle Tötung durch Vernachlässigung in bewegender Weise anschaulich machen, welche monströsen Verbrechen Deutsche einst begangen haben und welche ungeheure Schuld auf allen ruht. Die damals mitgemacht oder weggeschaut haben.“ Ranghöchster Teilnehmer der bayerischen Regierung war der Leiter der Staatskanzlei, Staatsminister Dr. Florian Herrmann.

Viel zu lange seien Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie deren Kinder eine fast vergessene Opfergruppe des Nationalsozialismus gewesen. Dabei fanden die Verbrechen an ihnen nicht weit entfernt im Ausland statt, sondern hier, mitten in Deutschland. Es ist gut, dass diese Taten an vielen Orten endlich ans Licht gebracht werden“, so der Bundespräsident in seiner Grußbotschaft weiter.  

Jahrzehntelang wurde auch in Markt Indersdorf über die Kinderbaracke geschwiegen. Erst der heute 75 Jahre alte Hans Holzhaider, damals Redakteur der Dachauer SZ, hat 1986 dieses dunkle Kapitel der Indersdorfer Geschichte in zwei Artikeln offengelegt. Nun, wiederum 35 Jahre später, bringt der „Weg des Erinnerns“ dies erneut und öffentlich ins Bewusstsein. Der Weg beginnt unweit der Klostermauer in Indersdorf. Hier starben die Kleinkinder. Und er endet am Friedhof an der Maroldstraße, wo die Säuglinge in kleinen weißen Särgen begraben wurden – wie in Laberweinting.

Wie Rainer Pasta berichten konnte, gab es viele weitere Parallelen zum Polenkinderlager in Laberweinting. Nur im Gegensatz dazu wurde Markt Indersdorf nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu einem Ort der Zuflucht: Für über 1000 junge Überlebende der nationalsozialistischen Verfolgung wurde hier eine erste beschützende Umgebung geschaffen, bevor sie in ihre Heimatländer zurückkehrten oder auswanderten.

„Qualität des Gedenkens“

Anna Andlauer und Andreas Bialas, äußerten den Wunsch, sich in den kommenden Wochen persönlich bei einem Besuch in Laberweinting über das dortige Kinderheim zu informieren. Vor allem Andreas Bialas forscht seit einigen Jahren über polnische Zwangsarbeiter und Kinderheime für Zwangsarbeiterinnen und publiziert dazu in der polnischen Zeitschrift "MM - Moje miasto". Die Zeitung wird unterstützt vom polnischen Konsulat in München und wird vor allem von Polen gelesen, die in Bayern und Baden- Württemberg leben. Im Gespräch ging es auch um die „Qualität des Gedenkens“ mit Bezug auf die Rede von Staatsminister Dr. Florian Herrmann, der es als „gesamtgesellschaftliche Aufgabe bezeichnete, durch einen offenen und verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Geschichte dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passiert.“ Pasta nutzte die Gelegenheit, Staatsminister Dr. Florian Herrmann kurz über das „Polenkinderlager“ in Laberweinting zu informieren.

Gedenken als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Zur Eröffnung kamen auch viele Politiker und die Vertreter des polnischen und ukrainischen Generalkonsulats. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat ein Grußwort übermittelt, in dem er daran erinnert, dass „die Versklavung der Mütter zur Zwangsarbeit, die Verschleppung ihrer Kinder und deren qualvolle Tötung durch Vernachlässigung in bewegender Weise anschaulich machen, welche monströsen Verbrechen Deutsche einst begangen haben und welche ungeheure Schuld auf allen ruht. Die damals mitgemacht oder weggeschaut haben.“ Ranghöchster Teilnehmer der bayerischen Regierung war der Leiter der Staatskanzlei, Staatsminister Dr. Florian Herrmann.

Viel zu lange seien Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie deren Kinder eine fast vergessene Opfergruppe des Nationalsozialismus gewesen. Dabei fanden die Verbrechen an ihnen nicht weit entfernt im Ausland statt, sondern hier, mitten in Deutschland. Es ist gut, dass diese Taten an vielen Orten endlich ans Licht gebracht werden“, so der Bundespräsident in seiner Grußbotschaft weiter.  

Jahrzehntelang wurde auch in Markt Indersdorf über die Kinderbaracke geschwiegen. Erst der heute 75 Jahre alte Hans Holzhaider, damals Redakteur der Dachauer SZ, hat 1986 dieses dunkle Kapitel der Indersdorfer Geschichte in zwei Artikeln offengelegt. Nun, wiederum 35 Jahre später, bringt der „Weg des Erinnerns“ dies erneut und öffentlich ins Bewusstsein. Der Weg beginnt unweit der Klostermauer in Indersdorf. Hier starben die Kleinkinder. Und er endet am Friedhof an der Maroldstraße, wo die Säuglinge in kleinen weißen Särgen begraben wurden – wie in Laberweinting.

Wie Rainer Pasta berichten konnte, gab es viele weitere Parallelen zum Polenkinderlager in Laberweinting. Nur im Gegensatz dazu wurde Markt Indersdorf nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu einem Ort der Zuflucht: Für über 1000 junge Überlebende der nationalsozialistischen Verfolgung wurde hier eine erste beschützende Umgebung geschaffen, bevor sie in ihre Heimatländer zurückkehrten oder auswanderten.

„Qualität des Gedenkens“

Anna Andlauer und Andreas Bialas, äußerten den Wunsch, sich in den kommenden Wochen persönlich bei einem Besuch in Laberweinting über das dortige Kinderheim zu informieren. Vor allem Andreas Bialas forscht seit einigen Jahren über polnische Zwangsarbeiter und Kinderheime für Zwangsarbeiterinnen und publiziert dazu in der polnischen Zeitschrift "MM - Moje miasto". Die Zeitung wird unterstützt vom polnischen Konsulat in München und wird vor allem von Polen gelesen, die in Bayern und Baden- Württemberg leben. Im Gespräch ging es auch um die „Qualität des Gedenkens“ mit Bezug auf die Rede von Staatsminister Dr. Florian Herrmann, der es als „gesamtgesellschaftliche Aufgabe bezeichnete, durch einen offenen und verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Geschichte dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passiert.“ Pasta nutzte die Gelegenheit, Staatsminister Dr. Florian Herrmann kurz über das „Polenkinderlager“ in Laberweinting zu informieren.