28.12. - »Fest der unschuldigen Kinder«

Veröffentlicht am 27.12.2021 in Allgemein

Bei der Preisverleihung im Generalkonsulat in München: Anna Andlauer (Mitte) mit ihrem Ehemann (3.v.li.), Generalkonsul Jan M. Malkiewicz (3.v.re.), Konsul Marcin Król (2.v.li.), Reinhard Haiplik (re.), Andreas Bialas (li.) und Rainer Pasta (2.v.re.) - Die Veranstaltung fand unter 2G-Regeln statt.

 

Bene Merito - Medaille verliehen

Anna Andlauer widmet Auszeichnung den ermordeten Kindern der Ostarbeiterinnen

Bereits am 21. Dezember erhielt Anna Andlauer das Ehrenabzeichen des polnischen Außenministers "Bene Merito" für ihre Tätigkeit zum Gedenken und zur Dokumentation der organisierten Vernichtung von Kindern polnischer Zwangsarbeiter im Bayerischen Markt Indersdorf durch die Nationalsozialisten in den Jahren 1944-45. Auf Anregung von Anna Andlauer waren auch die Vertreter der Aktionsgruppen Pfaffenhofen a. d. Ilm, Reinhard Haiplik, Burgkirchen, Andreas Bialas, und Laberweinting, Rainer Pasta, eingeladen worden, um sich persönlich mit dem Generalkonsum austauschen zu können.

Die Bene Merito - Medaille ist die höchste polnische Ehrenmedaille, die vom polnischen Außenministerium verliehen wird. Sie wird seit 2009 an Personen vergeben, die sich in besonderem Maße für das Land Polen im Ausland stark machen. „Die mittlerweile 25jährigen Aktivitäten von Anna Andlauer verdienen höchsten Respekt. Dies ist ein äußerst wertvolles Beispiel für eine Deutschlehrerin, die von ihrem Gewissen und dem moralischen Bedürfnis, die Ortsgemeinde mit einer schwierigen nationalsozialistischen Geschichte zu konfrontieren, geleitet wird und verantwortungsvoll ein schreckliches Verbrechen dokumentiert“, so der Generalkonsul Jan M. Malkiewicz in seiner Ansprache zur Verleihung. Konsul Marcin Król, der schon oft bei entsprechenden Gedenkfeiern persönlich anwesend war, sprach die Laudatio.

Generalkonsul Malkiewicz freute sich sehr, dass er neben Anna Andlauer auch die Aktivisten Reinhard Haiplik (Pfaffenhofen a.d. Ilm), Andreas Bialas (Burgkirchen) und Rainer Pasta (Laberweinting) begrüßen konnte. Der Vorschlag des Generalkonsuls, alle bayerischen Aktivitäten zum Gedenken an die ermordeten Kinder der polnischen Ostarbeiterinnen zu bündeln, stieß auf breite Zustimmung. „Hierbei handelt es sich um eine fast vergessene Opfergruppe, die aufgrund ihrer flächendeckenden und abscheulichen Grausamkeit, viel mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt werden sollte“, unterstützte vor allem Anna Andlauer diese Initiative.  

»Fest der unschuldigen Kinder«

Seit den 6. Jahrhundert begeht die Kirche jedes Jahr am 28. Dezember das »Fest der unschuldigen Kinder«. Es erinnert an jenen Tag, an dem laut der Bibel König Herodes die Kinder von Betlehem töten ließ – in der Hoffnung, dabei auch Jesus zu erwischen, den er als Konkurrenten ansah. Dass es einen solchen Kindermord tatsächlich gegeben hat, halten Historiker für außerordentlich unwahrscheinlich: Die Reformation schaffte dieses “Fest der unschuldigen Kinder in Betlehem” ab, in den meisten katholischen Gegenden Deutschlands starb es im 18. Jahrhundert aus. 

Unbestritten und mit zunehmendem Blick auf die tragischen Ereignisse 1944-45 in Deutschland, Österreich und Böhmen wächst dagegen das Gedenken an die ermordeten Säuglinge und Kleinkinder osteuropäischer Ostarbeiterinnen. Auf der Homepage „Krieg gegen Kinder“ sind allein für Bayern 29 Standorte solcher Säuglingsheime belegt – viele sind aber bisher noch nicht dokumentiert worden.