Historischer Themenabend 1.Weltkrieg

Veröffentlicht am 24.12.2014 in Veranstaltungen

Franz Graf begeisterte mit einer Premiere: Erstmals wurden die Kriegstagebücher Carl Gandorfers der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

 „Gemeiner Kanonier Carl Gandorfer“

Wie schon im Vortrag von Rita Hagl-Kehl erwähnt, spielte der Pfaffenberger Bürgermeister und Landtagsabgeordneter des bayerischen Bauernbundes zusammen mit seinem sozialdemokratisch verorteten, blinden Bruder Ludwig eine bedeutende Rolle in der Münchner Revolution. Carl Gandorfer verbrachte den 1. Weltkrieg auch an der Front. Seine Erlebnisse hielt er in 12 handschriftlichen Kriegstagebüchern fest. Diese wurden vom Museum der Bayerischen Geschichte erfasst und nun in lesbare Schrift übertragen. Erstmals konnte Franz Graf nun aus diesen Büchern einzelne Passagen der Öffentlichkeit präsentieren. In einer anschaulich und pointiert vorgetragenen Lesung gab er tiefe Einblicke in die Sichtweise und Erlebniswelt Gandorfers während des Krieges. Eingezogen mit 39 und als Vater von 5 Kindern  war von Hurra-Patriotismus nicht zu finden. Seine Bodenständigkeit und Lebenserfahrung brachten ihn immer wieder in Bedrängnis, wenn er die Diskrepanzen zwischen adeliger Etappenriege und deren Umgang mit den kämpfenden Truppen aufzeigte und anprangerte. Seine Position als Mitglied des Landtags eröffnete ihm hier Wege, die er nutzte und für die er aber auch angefeindet wurde. In jedem Wort ist die Verachtung gegenüber der herrschenden Klasse zu erfahren und es ist nicht verwunderlich, dass er mit voranschritt, als es dann zum Sturz der Monarchie ging.

„Weihnachten 1914“

Abschließend zeigte der AK Labertal den hochkarätig besetzten Kinofilm „Merry Christmas 1914“. Ein Antikriegsfilm, der in Wort und Bild die von Carl Gandorfer aufgezeigten Klassengegensätze im Kaiserreich wiederspiegelte. Aber auch den Irrsinn dieses Krieges und die menschenverachtende Kriegsführung. Die eindringliche Geschichte um die „Friedensweihnacht 1914“, wo sich an manchen Frontabschnitten die Soldaten über die Schützengräben hinweg als Menschen begegneten und Weihnachten zusammen feierten. Viele Zuschauer wünschten sich insgeheim, der Film und die Ereignisse möge nach den Weihnachtsfeiern zwischen den Schützengräben anders enden und so die Geschichte neu geschrieben werden. Was hätte es Leid und elend verhindern können, wenn die Soldaten Weihnachten 1914 den Mut und die Möglichkeit gehabt hätten, nicht wieder in die Schützengräben zurück zukehren und nicht mehr aufeinander zu schießen? Es mussten wohl erst weitere 4 Jahre Tod und Elend, Schmerzen und Hunger das Feld bereiten, für die endgültige Niederlage und die Revolution 1918.

Ebenfalls am 4. Advent erinnerte die BamS an den Weihanchtsfrieden 1914 - Mehr dazu hier!

 

 

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