Wer war hier respektlos?
Leserbrief zum Artikel „Trotz nein: Planfeststellung geht weiter“ im Straubinger Tagblatt vom 18.7. 2026
Die Mehrheit des Geiselhöringer Stadtrats wollte keinen weiteren Vortrag des Staatlichen Bauamts, sondern abstimmen. Daraufhin sprach Bastian Wufka von einer „Respektlosigkeit“, wie er sie noch nie erlebt habe.
Das ist eine bemerkenswerte Verdrehung der Rollen. Der Stadtrat ist kein Publikum, das einen vorbereiteten Behördenvortrag pflichtschuldig anzuhören hat. Er ist ein demokratisch gewähltes Gremium und entscheidet selbst, wann die Argumente ausgetauscht sind.
Wufka trat zudem nicht als neutraler Gutachter auf, sondern als Vertreter der Behörde, die Haindling-Nord seit Jahren plant und verteidigt. Die Mehrheit war nicht verpflichtet, sich diese Position unmittelbar vor der Abstimmung nochmals vortragen zu lassen.
Respektlos war daher nicht der Verzicht auf den Vortrag. Respektlos war die öffentliche Zurechtweisung eines gewählten Stadtrats durch einen leitenden Beamten.
Respekt vor kommunaler Selbstverwaltung zeigt sich gerade dann, wenn eine Gemeinde nicht das beschließt, was eine staatliche Behörde erwartet.
Ludwig Kerscher und Martin Schmauser,
SPD-Stadtratsfraktion